Arbeit im Archiv / Hamburger Institut für Sozialforschung

Von Anita Zöld

Im Hamburger Institut für Sozialforschung haben wir am letzten Tag der Reise 8 Stunden verbracht. Alle hatten ein selbstgewähltes Thema, zu dem sie forschen und anschließend ein kleines Referat halten sollten. In den ersten paar Stunden haben wir unser Thema festgelegt. Es gab sehr viel Material. Aus diesem Grund fiel es uns sehr schwer, uns für ein einziges Thema zu entscheiden.

Ich und meine Mitstudentin Judit haben zu einem Thema recherchiert, das im Zentrum von Judits Abschlussarbeit stand. Es war der Amoklauf in Erfurt im Jahr 2002. Judit hat ihre BA-Arbeit zum Thema „Gewalt in der Schule“ geschrieben. Sie recherchierte in diesem Zusammenhang zu Amokläufern und Amokläuferinnen in Schulen, fand in Ungarn dazu aber kaum Material. Im Hamburger Archiv gab es zu diesem Thema sehr viele Zeitungs-artikel und weiterführende Analysen. Für mich war es interessant, mehr Informationen zu den sozialpsychologischen Hintergründen von Amokläufern zu bekommen. In einem Artikel der Berliner TAZ fanden wir folgende Aussage:

 „Amokläufe geschehen nie spontan, sie haben eine längere Vorgeschichte.“

Amokläufer inszenieren ihren Selbstmord. Inszenierter Selbstmord bedeutet, dass der Täter oder die Täterin sich eine Bühne für seine/ihre Tat schafft. Nach Auskunft von Psychologen und Psychologinnen gibt es im Fall eines Amoklaufes zwei unterschiedliche Szenarien. Beim ersten Szenario sucht der/die TäterIn bestimmte Orte wie etwa Schule und Betrieb auf, um sich gezielt an bestimmten Personen zu rächen. Im Fall des zweiten Szenarios ist die Auswahl der Opfer beliebig. In diesem Fall tötet ein/e AmokläuferIn wahllos Menschen, zu denen er/sie keine persönliche Beziehung hat.

Das Motiv der/des AmokläuferIn bleibt meistens unklar. Er/sie fühlt sich innerlich bedroht und ist zumeist stark beziehungsgeschädigt. Der Meinung eines Traumapsychologen zufolge mangelt es einem späteren Amokläufer an familiärer Stabilität und Selbst-wertgefühl. Unsicherheit und das ständige Gefühl der Bedrohung schlagen irgendwann in Aggressionen und Gewalt um. In Erfurt wurde der Tag der Tat zum Tag der kollektiven Trauer. Es ist ein Tag der Solidarität mit den Opfern, vermittelt wurde folgende Botschaft: „Wir müssen alle aufeinander aufpassen.“

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