Berliner Unterwelten

Von Anita Zöld

Auf den  Programmpunkt „Berliner Unterwelten“ haben wir uns im Vorfeld der Reise am meisten gefreut. Trotz vorangegangener Befürchtungen erwarteten uns dort keine Spinnen oder Ratten und ebenso wenig brauchten wir einen Schutzanzug. Es gab zwei Fremdenführer, die sehr um uns bemüht waren und darauf achteten, dass keine/r aus der Gruppe verloren ging.

Ehrlich gesagt – ich habe ein wenig gezittert. 90 Minuten lang unter der Erde zu sein – so versprach es das Programm –  klingt nicht nur spannend, sondern auch ein wenig bedrohlich. Zuerst haben wir alte Toiletten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gesehen und Worte dafür kennengelernt, die wir zuvor noch nie hörten. Nach und nach ging es tiefer unter die Erde. Es wurde immer kälter. In mir wuchs das Gefühl der Klaustrophobie, während über unseren Köpfen die U-Bahn fuhr. Fluoreszierende Wände dienten in den finsteren Räumen oftmals als einzige Lichtquellen, sie nahmen mir die Angst vor der Dunkelheit.

Die unterirdischen Räume, die wir sahen, dienten während des Zweiten Weltkriegs als Bunker. Nach Auskunft der MitarbeiterInnen der Berliner Unterwelten schützten diese die Menschen im Fall eines Bombenangriffs zwar nicht, gaben ihnen aber das Gefühl der Sicherheit. Einige Räume waren so ausgestattet, als ob noch Menschen in ihnen lebten. Wir fanden dreistöckige Betten mit Decken vor, auf denen Koffer lagen.

In den Räumen, die wir besichtigten, war für Menschen nur wenig Platz vorgesehen. Es gab Räume, in denen Relikte aus der Kriegeszeit – Stiefel, Helme, Handschuhe, Geschirr, Kleidungstücke und Zahnprothesen – in Vitrinen standen. Insbesondere die Frauen waren während der Kriegszeit sehr kreativ – sie mussten es sein – und machten aus Helmen Gefäße für Teig und aus alten Felgen Schuhsohlen. Es war sehr interessant in diesen Räumen spazieren gegangen zu sein und dadurch etwas über die Zeit des Zweiten Weltkriegs erfahren zu haben. Alles faszinierte uns, was wir gesehen haben. In den Geschichtsbüchern konnten wir darüber nie etwas lesen.

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