Die Neue Frauenbewegung

Von Anette Spirnhirn

Am 17. April 2012 waren wir im Archiv des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Wir haben zu Themen recherchiert, die uns selbst am nächsten standen. Ich haben das Thema der  Neuen Frauenbewegung gewählt, weil ich dachte, dass dies auch heute noch ein aktuelles Thema ist.

Ein wichtiges Kapitel innerhalb der Geschichte der Neuen Frauenbewegung begann am 13. September 1968. An diesem Tag wurde eine Tomate von der Romanistik-Studentin Sigrid Rüger auf dem Frankfurter Bundeskongress des West-Berliner Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) geworfen.

An diesem Tag fanden ebenso Sit-Ins von Frauen statt, die es sich zum Ziel erklärt hatten, die Befreiung der Frau von der einengenden Geschlechtsrolle und die Abschaffung ihrer ökonomischen Diskriminierung durchzusetzen. Ihr kulturrevolutionäres Ziel war unter anderem auch die Unabhängigkeit von männlichen Blicken. Sie trafen sich regelmäßig im Republikanischen Club in Berlin. Erstmals fand dieses Treffen in den Januartagen des Jahres 1968 statt und wurde im Vorfeld mithilfe von Mund-zu-Mund-Propaganda und Flugblättern bekannt gemacht. Einem Flugblatt ist folgender Text zu entnehmen:

„Wir treffen uns zum ersten Mal am 26. 01. 1968 um 20 Uhr Hörsaal B in der Freien Universität, Henry-Ford-Bau. Im Zusammenhang damit werden sich Projektgruppen bilden, die die soziologische, psychologische, ökonomische und sexuelle Situation der Frau untersuchen, um Möglichkeiten für politische Aktivität zu schaffen.“

Das erste Flugblatt, das von Lena Conradt, Marianne Herzog, Dorothea Ridder, Sigrun Fronius, Helke Sander, Marlies Schäfer, Ellynor Geiger und Doris Herzog verfasst wurde, sollte alle Frauen ansprechen und beinhaltete unter anderem die Forderung nach antiautoritärer Kindererziehung. Es gab so genannte Rundbriefe, in denen der Zeitpunkt des nächsten Treffens festgelegt wurde. Darin wurden ebenso weitere Ziele und bisherige Ergebnisse diskutiert. Der Aktionsrat zur Befreiung der Frauen organisierte Arbeitskreise und Aktionsgruppen. Dieser hatte das Ziel, bestimmte aktuelle Fragestellungen anzugehen.

Die Arbeitskreise waren wie folgt gegliedert und setzten sich mit folgenden Themen auseinander: 

  • AK 1: Die Erziehung zum weiblichen Rollenverhalten
  • AK 2: Die Funktion der Ehe und Familie für die Gesellschaft, bes. in Bezug auf die Frau
  • AK 3: Die ökonomische Abhängigkeit der Frau
  • AK 4: Die Lage der Studentinnen
  • AK 5: Die Diskriminierung der Schülerin in unserer Gesellschaft
  • AK 6: Das Bild der Frau in der Presse
  • AK 7: AK der Kindergärtnerinnen
  • AK 8: AK über Kinderbücher
  • AK 9: Die Rolle der Frau in der Revolution
  • AK 10: Sublime alltägliche Repressionsformen gegen die Frau
  • AK 11: Die rechtliche Situation der Frau und Straffälligkeit der Frauen
  • AK 12: Medizinische Aspekte der Lage der Frau
  • AK 13: Sexuelle Probleme der Frau
  • AK 14: Modell des FU-Kindergartens
  • AK 15: Umfunktionalisierung von Berliner Häusern, Vorbereitung von Kommunen
  • AK 16: Die politischen Aktivitäten der Frau
  • AK 17: AK Antiautoritäre Erziehung

A.    Untergruppe 1: Psychoanalyse des Kindes

B.    Untergruppe 2: Familiensoziologie und Familienpolitik

C.    Untergruppe 3: Staatliche Kindererziehung und Erziehungsausbildung

D.    Untergruppe 4: Autoritäre Erziehung und Klassengesellschaft

E.     Untergruppe 5: Modell einer Gegenschule

  • AK 18: Öffentlichkeitsarbeit des Aktionsrates der Frauen
  • AK 19: Psychologische Beratung des Aktionsrates der Frauen

 Aktionsgruppen:

  • AG 1: Gruppe, die die Motivation derer untersucht, die mittwochs (bisher) kommen
  • AG 2: Gruppe, die sich um Schulkinder kümmert
  • AG 3: Gruppe, die in schon bestehenden Frauenkreisen agitiert
  • AG 4: Gruppe Psychologische Beratung

„Ziele der antiautoritären Erziehung“

Wie ich schon erwähnt habe, beschäftigte sich eine Gruppe mit dem Thema der antiautoritären Kindererziehung. Dazu bedarf es einer Definition: „Autorität“ bedeutet meiner Meinung nach, dass Einflussnahme auf Personen durch Intrigen, machtgeladene Beziehungen und Gewalt stattfindet. „Autoritäre Erziehung“ wäre folglich der Einfluss von Personen oder Personengruppen auf einen sich entwickelnden Menschen mithilfe von Mitteln wie etwa Befehlen. „Antiautoritäre Erziehung“ ist hingegen eine Erziehung, die Autorität ablehnt: Man kann auf andere nur Einfluss ausüben, indem man sich ernsthaft und glaubwürdig demokratischer Spielregeln bedient und dadurch zum Vorbild wird.

Es gibt verschiedene Erziehungsziele: ‚Selbstbewusstsein’ sollte eines davon sein. Nur wenn ein junger Mensch eigenständig seinen Platz in der Gesellschaft finden kann, entwickelt sie/er eine Persönlichkeit. Es ist wichtig für ein Kind, sich vom Erzieher zu ‚emanzipieren’, wobei Kinder und Eltern zu Beginn kooperieren müssen.  Ein Kind wird im Rahmen der antiautoritären Erziehung als eigenständiger Mensch betrachtet, der frei entscheiden kann und die Konsequenzen seiner Entscheidungen tragen kann. ‚Politik’ spielt ebenso eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Kinder sollen nicht nur lernen, sondern die gesellschaftlichen Beziehungsgefüge und Institutionen kritisch überprüfen und dadurch aktiv an der Beseitigung gesellschaftlicher Missstände teilhaben. Unter anderen muss ein Kind für Kritik offen bleiben, das nennt man ‚Kritikfähigkeit’.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s